Das Hessische Ried reicht bis zum Rheingau

Dr. Hubert Schreiber


Mit Bedauern nehmen die kommunalen Wasserunternehmen zur Kenntnis, dass das Stichwort Trinkwasser in der Tätigkeitsvorschau der neuen Umweltministerin Priska Hinz nicht vorkam. Gerade bei der euphorischen Beschreibung von schutzwürdiger Natur und dem Wald im Hessischen Ried darf der Blick auf die Gesamtsituation nicht verloren gehen.

„Die Wasserunternehmen des regionalen Leitungsverbundes versorgen im öffentlichen Auftrag den Lebens- und Wirtschaftsraum Rhein-Main mit Trinkwasser auch aus dem Hessischen Ried. Damit vertreten sie über zwei Millionen Menschen von der Bergstraße bis zum Rheingau und Main-Kinzig-Raum sowie die dortigen Unternehmen, die das Trinkwasser benötigen. In der Diskussion um die Bedingungen der Wälder wird neben dem Aspekt, dass bereits die Entwässerung des Hessischen Rieds zugunsten der Landwirtschaft und des Siedlungsbaus zu einem trockenen Hessischen Ried beigetragen haben, oft vergessen, dass die gesamte Region Rhein-Main auf das Wasser aus dem Hessischen Ried angewiesen ist,“ so Norbert Siegmund als Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Wasserversorgung Rhein-Main.

Da man den Wald nicht weiter übermäßig strapazieren will, der als Naturschutzgebiet einem besonderen Schutz unterliegt, als Naherholungsgebiet dient und nicht zuletzt auch ein wichtiger Förderer der ökologischen Grundwasserbewirtschaftung ist, hat der Hessische Landtag 2012 den „Runden Tisch zur Verbesserung der Grundwassersituation im Hessischen Ried“ ins Leben gerufen, um die komplizierte Gemengelage zu sondieren, bevor eine politische Entscheidung getroffen wird.

In der Sache scheint man sich auch einig zu werden: Angestrebt wird ein Management für den Wasserhaushalt vor Ort, das viele Bäume wieder an das Grundwasser anschließen würde und gleichzeitig Acker und Häuser trocken lässt. Prognostiziert sind dafür Kosten von mindestens 100 Millionen Euro einmalig und mindestens 10 Millionen Euro jährlich. Was die Finanzierung betrifft, gibt es allerdings noch keine endgültige Vorgehensempfehlung an die Landesregierung. Wichtig für den Erfolg des Konzeptansatzes sei es jedoch, so Norbert Siegmund, die verschiedenen Gemeinwohlinteressen nicht gegeneinander auszuspielen.

„Dass die Wasserversorger immer wieder als mögliche Geldquelle genannt werden, halten wir angesichts der bislang der Landeskartellbehörde gewährten Spielräume für bewusst irreführend. Gesetzliche Regelungen oder ein politisches Einvernehmen zur Einpreisung von Umweltbelangen in den Wasserpreis fehlen bis dato. Um die Wassernutzer in der Region direkt an den Umweltkosten zu beteiligen, wäre dies zunächst zu ändern. Dies wäre ein interessanter Politikwechsel gegenüber der auf die fachlich umstrittenen Preissenkungen beschränkte Wasserpolitik der letzten Landesregierung“ verdeutlicht Siegmund.

Die Gewährleistung der regionalen Trinkwasserbeschaffung, die Erhaltung der auf europäischer Ebene geschützten Natura 2000-Gebiete sowie die landeskulturellen Ziele zur Erhaltung und Entwicklung des Waldes - alle drei Bereiche lägen in der Verantwortung des Landes Hessen. Unstrittig sei es, eine Aufgabe der Allgemeinheit in der Abwägung die verschiedenen Belange im Ried zu berücksichtigen. Als Grundlage für das Funktionieren der Metropolregion Rhein-Main kommt der Wasserversorgung aber besondere Bedeutung zu.

„Die Wasserunternehmen leisten am ‚Runden Tisch‘ im Rahmen der integrierten und umweltbezogenen Wasserwirtschaft, der wir uns verpflichtet sehen, einen konstruktiven Beitrag, um dem Hessischen Landtag einen ausgewogenen Vorschlag zu präsentieren und stellen unsere Fachkompetenz gerne zur Verfügung,“ so Siegmund abschließend.