Ökologische Wassergewinnung neu definiert

Dr. Hubert Schreiber


Die Modernisierung des Wasserwerks Schierstein läuft.

Das Wasserwerk Schierstein ist bei vielen Wiesbadener Bürgern bekannt und beliebt durch die Störche, die dort seit vielen Jahren heimisch sind. Eine naturräumliche Idylle, die bestimmt ist von den großen Wasserflächen der Versickerungsbecken. Die technischen Anlagen zur Wasseraufbereitung sind aber in die Jahre gekommen und es bestehen bereits seit längerem Planungen zu einer Modernisierung des gesamten Wasserwerks. Erste konkrete Maßnahmen dazu sind bereits umgesetzt. Schon seit Ende letzten Jahres sind zwei neu errichtete Brunnen in Betrieb, die anstelle der 42 alten Brunnen das Grundwasser aus dem Untergrund fördern. Diese sogenannten Horizontalfilterbrunnen sind mit modernster Pumpentechnik ausgerüstet und nicht nur wartungsfreundlich und effektiv, sondern auch besonders energieeffizient. Wie der Betreiber Hessenwasser mitteilte, konnte nach den bisherigen Betriebserfahrungen von rund einem Jahr der Energieverbrauch für den Pumpenbetrieb um 75% gesenkt werden. Bezogen auf die geplante Jahresabgabe des neuen Werks von rund 3,5 Millionen m³ Trinkwasser ergibt sich daraus rund 1 Mio. kWh weniger Stromverbrauch pro Jahr. Das entspricht jährlich einem um ca. 590 Tonnen verminderten CO2-Ausstoß.

„Damit haben unsere Ingenieure den Begriff ökologische Wassergewinnung ganz neu definiert“, stellt Elisabeth Jreisat, Leiterin des Unternehmensbereichs Technik fest und fügt hinzu: „Bei den Planungen für das neue Wasserwerk wird das Thema Energieeffizienz ganz groß geschrieben.“

Nach derzeitigem Stand sollen die endgültigen Planungen für die neue Grundwasseraufbereitung voraussichtlich im Frühsommer 2014 abgeschlossen sein. Bestandteil des neuen Versorgungskonzeptes ist neben der Modernisierung des Wasserwerks auch der Bezug von Trinkwasser von den Stadtwerken Mainz. Der Naturraum im Wasserwerksgelände bleibt im derzeitigen Zustand erhalten.

Bevor allerdings am Wasserwerk die Bauarbeiten beginnen, muss zunächst eine neue Transportleitung von Mainz nach Schierstein hergestellt werden. Entgegen den ursprünglichen Planungen wird dazu jedoch keine Leitung durch den Rhein von Mainz nach Schierstein verlegt werden müssen. „Gemeinsam mit den Kollegen von ESWE haben wir eine bessere Trassenlösung gefunden“, erläutert Jreisat. „Damit wird es auch keinerlei Beeinträchtigung für Mensch und Natur durch eine Großbaustelle am Rheinufer in Schierstein geben“.