Landwirtschaftliche Beregnung in Gefahr - Land Hessen erteilt keine Genehmigung

Dr. Hubert Schreiber


Rund eine Million Liter aufwändig gereinigtes Wasser muss womöglich sinnlos vergeudet werden - pro Stunde

Hans-Jürgen Fischer, seit Oktober letzten Jahres Verbandsvorsteher des Wasserverbands Hessiches Ried, steht vor großen Herausforderungen. Nicht nur, dass die Finanzierung der Leistungen des WHR heftig umstritten ist, sodass der Verband derzeit unter vorläufiger Haushaltsführung operieren muss. Von Landesseite wird auch die Erteilung der wasserrechtlichen Genehmigung für die Infiltration im Jägersburger Wald seit Monaten verzögert. Die Erfüllung der satzungsgemäßen Verbandsaufgabe der ökologischen Grundwasserbewirtschaftung im mittleren Hessischen Ried wird ausgerechnet durch das Umweltministerium behindert. Neben der Grundwasseranreicherung sichert der Wasserverband die Produktion der Gartenbaubetriebe und Landwirtschaft in der Region mit Wasser zur Beregnung der meist hochwertigen Sonderkulturen. Das Wasser wird durch die aufwändige Aufbereitung von Rheinwasser im Wasserwerk Biebesheim bereitgestellt. Und genau hier liegt das Problem. „Die Aufbereitungskapazität der Anlage in Biebesheim wird in den kommenden Wochen von den Landwirten dringend zur Sicherstellung der Beregnung der Kulturen, insbesondere der Frostschutzberegnung, benötigt“, erläutert Fischer. „Um hier flexibel auf die Beregnungsanforderungen reagieren zu können, muss dabei aus technischen Gründen eine Minimallast von 900 m3/h vorsorglich aufbereitet und vorgehalten werden. Dies ist Wasser, das wir für die Grundwasseranreicherung sinnvoll einsetzen könnten, solange es noch nicht oder nicht in dieser Menge von der Landwirtschaft benötigt wird. Wenn wir aber die Genehmigung für die Infiltration nicht umgehend bekommen, müssen wir pro Stunde rund 900.000 Liter aufwändig gereinigtes Wasser wieder zurück in den Rhein kippen. Ökologischer und wirtschaftlicher Wahnsinn", ärgert sich Fischer. „Alternativen bestehen nicht. Wird das Wasserwerk derzeit nicht betriebsbereit gehalten, stünde im Frostfall kein Beregnungswasser zur Verfügung, wodurch den betroffenen Landwirten massive Ernteausfälle und Ertragseinbußen drohten“, so Fischer.

Bisher erfolgte die Infiltration auf der Grundlage einer vorläufigen Genehmigung, die jährlich verlängert wurde. Diese Verlängerung blieb jedoch laut Fischer dieses Jahr aus. Warum die Erteilung der Genehmigung durch das Umweltministerium insgesamt derart verzögert wird, kann Fischer nicht nachvollziehen. Alle Unterlagen für die bereits im Jahre 2005 beantragte Genehmigung lägen vor, alle notwendigen Schritte des Verwaltungsverfahrens sind seit September letzten Jahres abgeschlossen. „Es ist mir unverständlich, warum unser satzungsgemäßes Handeln derart blockiert wird. Wir werden prüfen, ob das Land Hessen für die Kosten, die aus der Verzögerung des Genehmigungsverfahrens entstehen, in Anspruch genommen werden kann.“