Infiltrationsgestützte Wasserwerke im Hessischen Ried gleichen mangelnde Grundwasserneubildung

Dr. Hubert Schreiber


Hessenwasser, OVAG und Kreiswerke Main-Kinzig kooperieren im Wasserbezug

Der Vogelsberg ist neben dem Hessischen Ried eines der wichtigsten Grundwassergewinnungsgebiete für die Wasserversorgung der Metropolregion Rhein-Main. Eine nachhaltige Grundwassergewinnung unterliegt jedoch ökologischen Grenzen. Diesem Grundsatz folgend muss die Oberhessische Versorgungsbetriebe AG (OVAG) wegen geringer Grundwasserneubildung in den Gewinnungsgebieten der OVAG, vor allem im süd- östlichen Vogelsberg, aus ökologischen und wasserrechtlichen Gründen die Grundwasserförderung reduzieren. Die extreme Trockenheit im Frühjahr und Herbst 2011 hat das Problem noch verstärkt.

Zum Ausgleich von absehbaren Liefermengeneinschränkungen haben die Hessenwasser, die OVAG und die Kreiswerke Main-Kinzig vorsorglich eine neue Vereinbarung zum regionalen Wasserausgleichsmanagement abgeschlossen. Die Vereinbarung sieht vor, dass der zu erwartende Liefermengenrückgang über den regionalen Leitungsverbund der Hessenwasser aus ihren Wasserwerken im Frankfurter Stadtwald und vor allem im Hessischen Ried ausgeglichen wird. Die Wassergewinnung in diesen Anlagen ist dank der Grundwasseranreicherung mit aufbereitetem Oberflächenwasser unabhängig von klimabedingten Schwankungen und erfüllt sicher die strengen ökologischen Anforderungen in diesen sensiblen Gewinnungsbereichen.

Geschäftsbereichsleiter Werner Herber von Hessenwasser und seine Verhandlungspartner, Kreiswerke-Geschäftsführer Bernd Schneider, und Abteilungsleiter Peter Hans Hög von der OVAG sind sich jedoch einig, dass die aktuelle Vereinbarung nur eine Übergangslösung darstellt und weitere Schritte zum Ausgleich der derzeitigen Dargebotsbeschränkung im Vogelsberg und zur Absicherung des regionalen Wasserbedarfs folgen müssen.

So planen die OVAG und der Zweckverband Mittelhessische Wasserwerke (ZMW) trotz der erheblichen Investitionskosten den Bau einer Verbindungsleitung zwischen den Versorgungsnetzen des ZMW und der OVAG, um Trinkwasser aus dem mittelhessischen Raum in den Ballungsraum zu leiten. Nach Auskunft von Peter Hans Hög sind die Abstimmungen bereits fortgeschritten.

Aus Sicht der Hessenwasser ist aber vor allem die zuverlässige Verfügbarkeit der Ressourcen im Hessischen Ried unverzichtbar. Durch die nachhaltige Grundwasserbewirtschaftung des Wasserverbands Hessisches Ried (WHR) konnten laut Herber Wasserversorgungsprobleme in der Metropolregion in den letzten Jahren sicher vermieden werden.

Um dies auch in Zukunft gewährleisten zu können, müsse die Landespolitik jetzt handeln. Es gelte klare Regelungen für eine zuverlässige Finanzierung des WHR zu treffen. Vor allem aber seien die zum Teil seit Jahren anhängigen Wasserrechtsverfahren für die Wasserwerke im Ried endlich im Sinne einer sicheren Wasserversorgung für die Region abzuschließen.