„Das Land muss wieder mit ins Boot“

Hessenwasser: Finanzierungsdefizite beim Wasserverband Hessisches Ried sind Defizite in der politischen Verantwortung

Wulf Abke, Geschäftsführer der Hessenwasser, die seit 2005 auch die Geschäfte des Wasserverbands Hessisches Ried (WHR) führt, ist verstimmt über die Ohne-Michel-Haltung der Landesregierung bei einem „infrastrukturpolitischen Kernthema, wie der Sicherung der Wasserversorgung für die Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main“. Anlass dafür ist, dass auch in einer erneuten Vorstandssitzung des WHR in der vergangenen Woche kein Konsens über dessen Finanzierung hergestellt werden konnte. Sowohl die kommunalen Mitglieder des Verbandes wie auch die Wasserwerke stellen ihre finanziellen Beiträge weiterhin in Frage. Vorläufig arbeitet der WHR daher auf der Grundlage einer vorläufigen Haushaltsführung. Der Wirtschaftsplan für das laufende Jahr wurde dem Regierungspräsidium Darmstadt als Aufsichtsbehörde zur Prüfung und Stellungnahme vorgelegt.

Doch Anlass zu Unmut ist für Abke nicht nur die Tatsache, dass es nicht gelungen sei, die Lasten entsprechend der tatsächlichen Vorteilhaftigkeiten der im Verband vertretenen Interessenträger zu verteilen, sondern auch die Verbandsstruktur selbst. „Uns liegen die Ergebnisse von 5 Fachgutachten vor, die sehr detailliert nicht nur die Kostensituation, sondern auch die Struktur des Verbandes beleuchten“, erläutert Abke. „Diese Bewertungen machen deutlich, dass sich erhebliche Vorteile aus den ökologischen Dienstleistungen des Verbandes bei der Bewirtschaftung des Grundwassers im Hessischen Ried und der Bereitstellung von hygienisch einwandfreiem Beregnungswasser ergeben. Die Kosten werden derzeit jedoch zu über 75% von der Wasserversorgung getragen“, moniert Abke. Für die Argumentation der Gartenbau- und Landwirtschaftsbetriebe, die höhere Beiträge für das Beregnungswasser ablehnen, zeigt Abke dennoch Verständnis, da ihnen bei Gründung des WHR vom Land Hessen finanzielle Unterstützung in Aussicht gestellt worden war. Aber die gutachterlich bestätigte hohe Quersubventionierung des Beregnungswassers für die Landwirtschaft verdeutliche den Handlungsbedarf. „Allein für diesen Bereich fehlt dem WHR jedes Jahr ein Betrag von annähernd 1 Million Euro“, stellt er fest.

Abke, im Ehrenamt als Vizepräsident des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft profiliertester Exponent der Branche in Deutschland, macht deutlich, dass er das Land in der Pflicht sieht, mit den Verantwortlichen in einen direkten Dialog zu treten, um Lösungen zu finden. „Die Landesregierung muss sich ihrer Verantwortung bei den Fragen der wasserwirtschaftlichen Infrastrukturpolitik stellen“, so Abke. “Das Land gehört beim WHR wieder mit ins Boot“.