„Nachhaltigkeit für Wald und Wasser gibt es nicht zu Dumping-Preisen“

Dr. Hubert Schreiber


Regionalversorger Hessenwasser sieht zum Thema Umwelt und Grundwasser Widersprüche in der Landespolitik.

Die Ankündigung von Peter Stephan, dem umweltpolitischen Sprecher der CDU-Fraktion im Hessischen Landtag, einen runden Tisch zum Thema Grundwasserbewirtschaftung im Hessischen Ried einzurichten, löst bei Wulf Abke gemischte Gefühle aus. Abke, Vizepräsident des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft in Deutschland und Geschäftsführer des regionalen Wasserversorgers Hessenwasser, sieht zunächst die eigenen Bemühungen in dieser Richtung bestätigt. „Es ist höchste Zeit, dass das Land Hessen sich mit einem solchen Mediationsansatz aktiv an der Lösung der wasserwirtschaftlichen Probleme in Südhessen beteiligt“, so Abke. „Es geht dabei jedoch nicht allein um hohe Grundwasserstände und den Waldumbau im Ried. Unmittelbar damit verknüpft ist die Sicherung der zuverlässigen Trinkwasserversorgung der Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main“, betont Abke.

Als Verantwortlicher für die regionalen Trinkwassermengen im Rhein-Main Raum sieht Abke derzeit noch keine ausreichende gemeinsame Verständigungsgrundlage mit den verantwortlichen Landesstellen. “Es kann nicht sein, dass ein Teil der Landesregierung Investitionen für Natur und Wasserversorgungssicherheit verlangt und ein anderer Teil der Landesregierung gleichzeitig gegen die dafür notwendigen kostendeckenden Wasserpreise kämpft. Sichere Wasserversorgung gibt es nicht zu Dumping-Preisen“, betont Abke.

Eine Verständigung zu den Grundwasserständen und zur Waldsanierung sieht er daher zumindest solange problematisch, bis das Land Hessen die derzeitige Finanzierung der regionalen Wasserbeschaffung bestätigt und auch zu der künftig erforderlichen Finanzierung der Waldmaßnahmen und anderen notwendigen Projekten im regionalen Wasserleitungsverbund deren Kostenabbildung im Wasserpreis ausdrücklich akzeptiert.

Seit Einführung des Grundwasserbewirtschaftungsplans Hessisches Ried vor über 10 Jahren sorgt vor allem auch der Wasserverband Hessisches Ried (WHR) dafür, dass die landesseitigen Vorgaben für die Grundwasserstände erfolgreich eingehalten werden und damit sowohl die ökologischen Anforderungen wie auch die Trinkwasserversorgung und die Bereitstellung von Beregnungswasser für die Landwirtschaft gesichert sind. „Auch diese hervorragende Arbeit ist durch die unklare Finanzierungssituation des Verbandes derzeit akut gefährdet“, führt Abke weiter aus. Besonders irritiert zeigt sich Abke, in seiner weiteren Funktion als stellvertretender Verbandsvorsteher des WHR daher auch, dass dem WHR ohne Kostenzusagen neue Aufgaben zugeordnet werden, die eindeutig in der Verantwortung des Landes liegen. „Zusätzliche Grundwasseraufspiegelungen zur Sanierung der Wälder und damit verbundene Schutzmaßnahmen für Siedlungs- und landwirtschaftliche Flächen vor Vernässungen gehören nicht zu den satzungsgemäßen Aufgaben des WHR“, so Abke. „Dennoch ist der WHR natürlich bereit, sich als Institution mit entsprechender Fachkompetenz an einem runden Tisch zur Problemlösung zu beteiligen. Klar ist allerdings, dass die Politik auch angemessene Wasserpreise zur Finanzierung dieser Aufgaben akzeptieren muss.“