Sichere Wasserversorgung trotz Rekordtrockenheit?

Dr. Hubert Schreiber


Geht Südhessen das Trinkwasser aus?

Das Frühjahr 2011 ist das trockenste in Hessen seit Beginn der regelmäßigen Aufzeichnungen im Jahre 1881. Während Landwirte und Kleingärtner, Grünflächenämter und Zoos unter der Trockenheit leiden, sieht das für den Rhein-Main-Raum verantwortliche Wasserbeschaffungsunternehmen Hessenwasser aktuell noch keine Probleme für die Wasserversorgung der Metropolregion Rhein-Main. Wulf Abke, Geschäftsführer der Hessenwasser, stellt fest: „Zum einen zehren wir im Hessischen Ried von den hohen Grundwasserständen, die uns das relativ nasse Winterhalbjahr beschert hat. Doch auch bei einer deutlich längeren Trockenperiode wären wir in der Lage, lokal auftretende Versorgungsengpässe durch den regionalen Leitungsverbund aufzufangen und eine umweltschonende Grundwassergewinnung in sensiblen Bereichen wie dem Vogelsberg zu gewährleisten“.

Dass dies keine Selbstverständlichkeit ist, zeigt ein Blick in die jüngere Vergangenheit. Noch vor wenigen Jahren veranlasste eine ausgedehnte Trockenperiode die Landesbehörden dazu, auch im Rhein-Main-Raum einen „Wassernotstand“ auszurufen. Heute sorgt eine moderne und nachhaltige Grundwasserbewirtschaftung im Hessenwasser-Verbund für ein sicheres Wasserdargebot und einen Mengenausgleich über die Region. „Eine sichere Wasserversorgung ist jedoch nicht mit Niedrigstpreisen zu haben“, betont Abke. Nach dem Hessischen Wassergesetz liegt die Abschätzung von Kosten und Nutzen bei den Kommunen, wobei die überörtliche Absicherung der Metropolregion mit Wasser in der Verantwortung des Landes liegt. Die Landesbehörden beaufsichtigen auch die interkommunalen Wasser- und Bodenverbände, wie etwa den Wasserverband Hessisches Ried (WHR), der die Aufbereitung des Beregnungswassers für die Landwirtschaft sicherstellt und über Infiltration die Grundwasserstände in Südhessen wetterunabhängig steuert. “Ohne den WHR und ohne Hessenwasser gäbe keine sichere und ökologisch verträgliche Wasserversorgung für die Metropolregion. Dennoch stellt das Hessische Wirtschaftsministerium die Kosten für diese Leistungen immer wieder infrage“, so Abke. „Wir gewährleisten die technischen Voraussetzungen für die Wasserversorgung und Zukunftssicherung des Lebens- und Wirtschaftsraums Rhein-Main auch unter den Vorzeichen des Klimawandels. Einseitige Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen gefährden jedoch die Sicherung des Bestandes der vorhandenen Infrastruktur und dessen Anpassungen an die Herausforderungen der Zukunft“, stellt Abke fest.

Wulf Abke ist neben seinen Funktionen als Geschäftsführer der Hessenwasser GmbH & Co. KG und als stellvertretender Verbandsvorsteher des WHR, als Vizepräsident des Branchenverbandes BDEW Sprecher der deutschen Wasserversorgungsbranche.

Die Hessenwasser GmbH & Co. KG ist eine Gemeinschaftsgesellschaft der Mainova AG, der HEAG Südhessische Energie AG (HSE) der ESWE Versorgungs AG und der Riedwerke Groß-Gerau. Das Unternehmen ist verantwortlich für die Trinkwasserbereitstellung für über 2 Millionen Menschen im Ballungsraum Rhein-Main.

Der Wasserverband Hessisches Ried, eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, wurde 1979 gegründet und sorgt seit der Inbetriebnahme der Rheinwasseraufbereitungsanlage in Biebesheim im Jahre 1989 mit aufbereitetem Oberflächenwasser durch die Grundwasseranreicherung für die Stabilisierung des Grundwasserhaushalts und durch die Bereitstellung von Wasser für die landwirtschaftliche Beregnung für die Sicherung der landwirtschaftlichen Erträge im mittleren Hessischen Ried. Jährlich können bis zu 38 Millionen Kubikmeter Wasser für die Grundwasseranreicherung und bis zu 5 Millionen Kubikmeter für die landwirtschaftliche Beregnung bereitgestellt werden. Mitglieder des WHR sind neben Vertretern der Landwirtschaft und von Gebietskörperschaften, die Hessenwasser und der Wasserbeschaffungsverband Riedgruppe-Ost.