Umweltministerin Lucia Puttrich zu Besuch bei Hessenwasser im Wasserwerk Schierstein

Thorsten Neels


Motto des Weltwassertags 2011 “Wasser für Städte – Antwort auf urbane Herausforderungen“

Umweltministerin Lucia Puttrich besuchte am Vortag des alljährlich am 22. März stattfindenden Weltwassertages das Wasserwerk Schierstein in Wiesbaden. „Das diesjährige Motto 'Wasser für Städte – Antwort auf urbane Herausforderungen' ist nach wie vor ein aktuelles Thema für den Ballungsraum Rhein-Main, bei dem das Land seit jeher seinen Beitrag leistet,“, hob Ministerin Puttrich hervor.

Wulf Abke, Geschäftsführer des regionalen Wasserversorgers Hessenwasser und Vizepräsident des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), stellte der Ministerin die Situation aus der Perspektive der öffentlichen Wasserversorgung dar.

Für die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland insgesamt sei die zuverlässige Versorgung mit einwandfreiem Trinkwasser und die hygienische Entsorgung von Abwässern heutzutage eine Selbstverständlichkeit, so Abke. Mit einem Anschlussgrad an die öffentliche Wasserversorgung von nahezu 100% und von rund 96% an die öffentliche Kanalisation sei Deutschland gewissermaßen Weltmeister in der Wasserver- und entsorgung.

Auch wenn Deutschland ein wasserreiches Land sei, stehe jedoch nicht an jedem Ort genügend Wasser in ausreichender Qualität für die Trinkwasserversorgung zur Verfügung, erläuterte Abke. So sei Wiesbaden zwar berühmt für seine Thermalquellen, doch gebe es im Stadtgebiet nicht genügend Wasservorkommen, um die Trinkwasserversorgung sicherzustellen. Das Wasserwerk Schierstein und die Taunusstollen tragen etwa nur zur Hälfte zur Trinkwasserversorgung der Landeshauptstadt und deren Umland bei. Ohne den regionalen Bezug von Trinkwasser aus dem Hessischen Ried sei die Wasserversorgung hier nicht gesichert. 

Dies sei kennzeichnend für die gesamte Metropolregion Rhein-Main. Die Wasserversorgung im Rhein-Main-Gebiet werde heute durch ein komplexes regionales Verbundsystem von Gewinnungs- und Verteilungsanlagen gewährleistet. Zu den Aufgaben dieses Leitungsverbundes gehören der mengenmäßige Ausgleich zwischen den Gebieten, in denen Grundwasser in ausreichender Menge gewonnen werden kann und den Großstädten und Umlandkommunen, die sich nicht alleine versorgen können. Die urbane Herausforderung besteht darin, über 50% der ca. 3,4 Millionen Einwohner im Ballungsraum Rhein-Main ganz oder überwiegend durch verbundwirksame Wasserwerke zu versorgen und weitere 35% der Bevölkerung aus Zulieferungen, insbesondere in Spitzenbedarfszeiten, über das Verbundsystem abzusichern. Das Regionalunternehmen Hessenwasser betreibt heute im Auftrag der Städte und Kommunen in ganz wesentlichem Umfang die Anlagen des Leitungsverbundes und die Bewirtschaftung der verbundwirksamen Grundwasserressourcen.

Ministerin Puttrich betonte, dass die Sicherstellung der Wasserversorgung keine einmalig zu erledigende Aufgabe sei, sondern ein dauerhafter Prozess. Dabei sollte bei der Betrachtung nicht außer Acht gelassen werden, dass eine gewaltige Aufbauleistung bereits vollbracht wurde. Eine Zukunftsaufgabe für die Wasserversorger und das Land Hessen stellt die Sicherstellung der Wasserversorgung in Trockenperioden dar. Der nachhaltigen Grundwasserbewirtschaftung durch die infiltrationsgestützen Wasserwerke im Hessischen Ried und der zuverlässigen Verteilung des gewonnen Grundwassers über redundante Leitungen zur Stärkung der Versorgungssicherheit komme hierbei eine besondere Bedeutung zu, erklärte die Ministerin. Das Land hat durch die Aufstellung des Grundwasserbewirtschaftungsplans sowie die Beteiligung an der Leitungsverbundstudie auf die Herausforderungen reagiert.

Einig waren sich Lucia Puttrich und Wulf Abke in der kritischen Beurteilung einseitiger Preisdiskussionen. „Wasserversorgung für Ballungsräume heißt nicht zuletzt auch Versorgung in Trockenperioden. Was nützt dem Bürger ein günstiger Preis, wenn in trockenen und heißen Sommern kein Wasser aus dem Hahn kommt“, sagte Ministerin Puttrich. Verbraucherschutz bedeutet auch die Gewährleistung einer Qualität und Versorgungssicherheit, die vom Verbraucher zu Recht eingefordert wird. Im Ballungsraum Rhein-Main, in dem Natur und Industrie, Siedlungen und Landschaft in unmittelbarer Nachbarschaft liegen, kommt deshalb der umweltgerechten Grundwasserentnahme und der Infrastruktur des Leitungsverbundes eine besondere Bedeutung zu. Diese Belange müssen sich durchaus in erforderlichem Umfang in den Wasserpreisen widerspiegeln.

Das Land Hessen bietet zum Weltwassertag verschiedene Veranstaltungen an. Neben der geführten Exkursion zu vier Hochwasserschutzanlagen im Odenwald und einem Erfahrungsaustausch zu den hessischen Badegewässern wird es an drei Gewässermessstationen an Rhein, Main und Fulda einen Tag der offenen Tür geben.